Der süße Flieder steht nur einmal im Jahr auf dem Baum,
Deine Brüste blühen mir jahraus, jahrein, du bist mehr als ein Frühling.
Meine Wünsche glänzten wie die Sprossen der Kastanie,
Du zogst sie alle an die Sonne, wir sitzen in einem Laubdach
Und lachen uns zu im satten Schatten.
Wie einen Baum, den der Blitz überfiel, hatte mich die Sehnsucht gezeichnet,
Jetzt wohnen deine Bienen bei mir, und meine Augen fließen über von deinem Honig.
– Max Dauthendey (1867-1918)
Aus: Die ewige Hochzeit. Liebeslieder (1905)
Wieder ein Gedicht, das mir von Lyrikmail in den Briefkasten flatterte. Eine englische Übersetzung ist hier zu lesen.
A blog dedicated to literature in its multivarious forms and to other forms of art (visual, film, photography)
5.8.09
12.7.09
Dichterlesung / nahezu ein Haiku
Ein Tisch.
Ein Glas mit Wasser.
Ein Mann, sein Wort.
– Johannes Beilharz (© 2009)
So sieht trotz allen Multimediagehabes immer noch der Prototyp der Dichterlesung aus – mild belächelt, heiß geliebt, was auch immer.
Die Damen Dichterinnen mögen sich bitte nicht ausgeschlossen fühlen. Dem Autor ging es hauptsächlich um den Anklang an den uralten Werbespruch "Ein Mann, ein Wort, Batavia".
Ein Glas mit Wasser.
Ein Mann, sein Wort.
– Johannes Beilharz (© 2009)
So sieht trotz allen Multimediagehabes immer noch der Prototyp der Dichterlesung aus – mild belächelt, heiß geliebt, was auch immer.
Die Damen Dichterinnen mögen sich bitte nicht ausgeschlossen fühlen. Dem Autor ging es hauptsächlich um den Anklang an den uralten Werbespruch "Ein Mann, ein Wort, Batavia".
4.6.09
Zum Tode von Kamala Das
Die Maden
Bei Sonnenuntergang, am Flussufer, liebte Krischna
sie ein letztes Mal und ging ...
In jener Nacht fühlte sich Radha in ihres Mannes
Armen so tot, dass er fragte, Was fehlt dir,
Liebste? Stören dich meine Küsse? und sie sagte,
Nein, überhaupt nicht, dachte aber, Was macht
es schon dem Leichnam, wenn die Maden zwicken?
– Kamala Das
Übersetzung ins Deutsche von Johannes Beilharz (© 2009)
Veröffentlicht zum Tode der am 31. Mai 2009 verstorbenen Autorin – einer der bedeutendsten Dichterinnen Indiens.
Das englische Original ist hier zu lesen.
Bei Sonnenuntergang, am Flussufer, liebte Krischna
sie ein letztes Mal und ging ...
In jener Nacht fühlte sich Radha in ihres Mannes
Armen so tot, dass er fragte, Was fehlt dir,
Liebste? Stören dich meine Küsse? und sie sagte,
Nein, überhaupt nicht, dachte aber, Was macht
es schon dem Leichnam, wenn die Maden zwicken?
– Kamala Das
Übersetzung ins Deutsche von Johannes Beilharz (© 2009)
Veröffentlicht zum Tode der am 31. Mai 2009 verstorbenen Autorin – einer der bedeutendsten Dichterinnen Indiens.
Das englische Original ist hier zu lesen.
22.5.09
Dichtung und Mathematik
Mein Mathematikus
In der Tertia war's, in der Mathematikstunde,
Da ward mir aus deinem Professorenmunde
Der erste Hohn für mein Dichten verabreicht.
Ein Jugendeindruck, der bis ans Grab reicht.
Noch heute seh' ich bei jedem Gedichte
Dein mathematisches Professorengesichte
Mir über die Schulter grinsen und lachen:
Kann nicht rechnen und will Gedichte machen.
Gustav Falke (1853-1916)
Das Dichten hat Gustav Falke trotz dieses negativen Inputs (oder vielleicht gerade deshalb) wohl nicht gelassen – das ist die Hauptsache. Die Gaben sind eben unterschiedlich verteilt. Und das Dichten klappt in der Regel auch ohne Mathematik ganz gut.
Auf dieses Gedicht wurde ich aufmerksam gemacht durch Lyrikmail.
In der Tertia war's, in der Mathematikstunde,
Da ward mir aus deinem Professorenmunde
Der erste Hohn für mein Dichten verabreicht.
Ein Jugendeindruck, der bis ans Grab reicht.
Noch heute seh' ich bei jedem Gedichte
Dein mathematisches Professorengesichte
Mir über die Schulter grinsen und lachen:
Kann nicht rechnen und will Gedichte machen.
Gustav Falke (1853-1916)
Das Dichten hat Gustav Falke trotz dieses negativen Inputs (oder vielleicht gerade deshalb) wohl nicht gelassen – das ist die Hauptsache. Die Gaben sind eben unterschiedlich verteilt. Und das Dichten klappt in der Regel auch ohne Mathematik ganz gut.
Auf dieses Gedicht wurde ich aufmerksam gemacht durch Lyrikmail.
12.5.09
Die Möglichkeiten eines Maitags
Schirm oder no Schirm –
that is the question.
– Johannes Beilharz
(Copyright © 2009)
Notiz des Verfassers
Heute kam in der Lyrikmail ein zweizeiliges Gedicht von Adrian Kasnitz (nachzulesen hier), in dem es um die jasminigen und fliederigen Möglichkeiten des Mais ging. Ihnen stelle ich gegenüber die minutenaktuellen Möglichkeiten des heutigen Maitags.
that is the question.
– Johannes Beilharz
(Copyright © 2009)
Notiz des Verfassers
Heute kam in der Lyrikmail ein zweizeiliges Gedicht von Adrian Kasnitz (nachzulesen hier), in dem es um die jasminigen und fliederigen Möglichkeiten des Mais ging. Ihnen stelle ich gegenüber die minutenaktuellen Möglichkeiten des heutigen Maitags.
28.3.09
Ein schillernder Tropfen
Ich bin ein Tropfen
Ich kam aus den Meeren, ich kam aus der Sonne, ich kam aus dem Wind,
Die alle mir Urväter und Mütter sind;
Aus fallenden Zeiten, aus ewiger Nacht ein lallendes Werde,
Ein schillernder Tropfen, ein hilfloses Kind,
Geworfen auf winzigen Fleck der Erde.
Ein Häuflein Jahre des Lebens,
Gefäß des Kummers und freudig flutenden Bebens,
Ein kreisendes Stündlein vor ewiger Zeit.
O halte, Weltanfang und -ende mich immer in Demut bereit,
Ich kam aus den Meeren, aus Sonne und Wind,
Und bin nur ein Kind.
Ist es nicht immer genug:
Daß dich ein herbstlich verblutender Baum,
Hintaumelnder Vogelflug,
Entzündeter Abendwolken Schaum,
Ein schluchzend einfältiglich Lied,
Das über engende Höfe flieht,
In gottvolle Armut und Nacktheit entrückt,
Unendlich beglückt!
– Gerrit Engelke (1890-1918)
Ich kam aus den Meeren, ich kam aus der Sonne, ich kam aus dem Wind,
Die alle mir Urväter und Mütter sind;
Aus fallenden Zeiten, aus ewiger Nacht ein lallendes Werde,
Ein schillernder Tropfen, ein hilfloses Kind,
Geworfen auf winzigen Fleck der Erde.
Ein Häuflein Jahre des Lebens,
Gefäß des Kummers und freudig flutenden Bebens,
Ein kreisendes Stündlein vor ewiger Zeit.
O halte, Weltanfang und -ende mich immer in Demut bereit,
Ich kam aus den Meeren, aus Sonne und Wind,
Und bin nur ein Kind.
Ist es nicht immer genug:
Daß dich ein herbstlich verblutender Baum,
Hintaumelnder Vogelflug,
Entzündeter Abendwolken Schaum,
Ein schluchzend einfältiglich Lied,
Das über engende Höfe flieht,
In gottvolle Armut und Nacktheit entrückt,
Unendlich beglückt!
– Gerrit Engelke (1890-1918)
8.3.09
Widerspenstige Göttin
Da komme ich zur Tür, klingle, und die Leute sagen, 'Was bringen Sie denn für Wetter mit?' Ich bin doch keine Göttin!Meine göttliche Nachbarin ist Fahrerin bei Hermes, und das sagte sie mir neulich – an einem Tag mit Sauwetter.
27.2.09
Vom armen alten Grillparzer
Krankenbesuche
Eine Ähnlichkeit, die ich mit Christus habe:
Nur die Weiber kommen zu meinem Grabe.
– Franz Grillparzer (1791-1872)
Diese Zeilen flatterten mir neulich per Lyrikmail ins Postfach.
Darf man da eine starke Dosis Wehleidigkeit unterstellen? Hat er diesen Selbstvergleich mit Christus nun gern oder nicht? Vermutlich war's auch bis zum Grabe noch ein bisschen Weges, denn den Griffel konnte G. ja noch rühren. Oder er hat dieses Meisterwerk mit letztem Hauche diktiert – eben einem der besuchenden "Weiber".
Ich gesteh's offen: diesem Zweizeiler bringe ich nur Abneigung entgegen. Sowas überlebt doch allerhöchstens als historisches Beweismaterial (Hypochonder oder Megalomane?).
Außerdem: andere würden sich über Frauen am Krankenbett ganz besonders freuen. Dazu bedarf es nicht einmal der Ähnlichkeit mit Christus.
Eine Ähnlichkeit, die ich mit Christus habe:
Nur die Weiber kommen zu meinem Grabe.
– Franz Grillparzer (1791-1872)
Diese Zeilen flatterten mir neulich per Lyrikmail ins Postfach.
Darf man da eine starke Dosis Wehleidigkeit unterstellen? Hat er diesen Selbstvergleich mit Christus nun gern oder nicht? Vermutlich war's auch bis zum Grabe noch ein bisschen Weges, denn den Griffel konnte G. ja noch rühren. Oder er hat dieses Meisterwerk mit letztem Hauche diktiert – eben einem der besuchenden "Weiber".
Ich gesteh's offen: diesem Zweizeiler bringe ich nur Abneigung entgegen. Sowas überlebt doch allerhöchstens als historisches Beweismaterial (Hypochonder oder Megalomane?).
Außerdem: andere würden sich über Frauen am Krankenbett ganz besonders freuen. Dazu bedarf es nicht einmal der Ähnlichkeit mit Christus.
19.2.09
Theodor Fontane: Mein Leben
Mein Leben
Mein Leben, ein Leben ist es kaum,
Ich gehe dahin, als wie im Traum.
Wie Schatten huschen die Menschen hin.
Ein Schatten dazwischen ich selber bin.
Und im Herzen tiefste Müdigkeit -
Alles sagt mir: Es ist Zeit.
– Theodor Fontane (1819-1898)
Dieses Gedicht, vom Autor 1892, also im Alter von 73 Jahren, verfasst, scheint Ausdruck einer Lebensmüdigkeit, Vorgefühl des Todes zu sein, zu dessen Reich, dem Reich der Schatten, er sich bereits zugehörig fühlt. Trotzdem lebte er offensichtlich noch etliche Jahre weiter...
Mein Leben, ein Leben ist es kaum,
Ich gehe dahin, als wie im Traum.
Wie Schatten huschen die Menschen hin.
Ein Schatten dazwischen ich selber bin.
Und im Herzen tiefste Müdigkeit -
Alles sagt mir: Es ist Zeit.
– Theodor Fontane (1819-1898)
Dieses Gedicht, vom Autor 1892, also im Alter von 73 Jahren, verfasst, scheint Ausdruck einer Lebensmüdigkeit, Vorgefühl des Todes zu sein, zu dessen Reich, dem Reich der Schatten, er sich bereits zugehörig fühlt. Trotzdem lebte er offensichtlich noch etliche Jahre weiter...
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