14.3.12

Das Nasobem


Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.

Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.

Christian Morgenstern (1871-1914)

The Nosobeme (englische Übertragung).

Gedichte und sonstige Werke von Christian Morgenstern sind in zahlreichen Ausgaben im Buchhandel und Online-Buchhandel, z.B. Amazon, erhältlich.

13.3.12

The Nosobeme


The nosobeme prances
on its quadruple nose.
Accompanying it dances
its child, also on four of those.

In Britannica it has no mention,
nor does it in Wikipedia.
It sprang from the invention
of my own private cyclopedia.

And thus the nosobeme does prance,
with child, as said before,
both doing their special dance
on noses galore.

– Felix Morgenstern (© 2012)

A rather free (and Internet-age) translation of Christian Morgenstern's poem Das Nasobem.

8.3.12

Animal witticism

So I say to my dog "sit!"
and he won't do it
but yawns

And I tell him
"So you think you've got wit?
But really

the only part of it
that you've got
is the nit."

– Felix Morgenstern (© 2012)

A much belated entry to Sunday Scribblings for wit.

6.3.12

Nacht

Oh letz –
jetzt ist alles aus

Die Lichter sind aus
es ist das Weltenende

Du sagst zünd eine Kerze an
und wag dich aus dem Bett

Wir haben keine Streichhölzer
sag ich

in dieser Nacht
Oh letz

die scheint
wie das Weltenende

– Johannes Beilharz (© 2012)

Ein unscheinbarer Versuch, etwas zum Thema Nacht zu schreiben, das noch nicht geschrieben wurde, und das die richtige Waage hält zwischen unpathetisch und dem natürlichen Pathos des Titels. Etwas beeinflussen lassen habe ich mich dabei vom Stile Vicente Huidobros.

Erklärung zu "Oh letz" - ist abgeleitet von dem aus der Mode gekommenen Ausspruch "Jetzt ist alles letz".

31.1.12

Alles was der heutige Mensch so braucht auf einen Blick

Ist man stolzes und zahlendes Mitglied der T-Online-Gemeinde und nutzt die Webmail-Funktion, wird man vor allem nach der Abmeldung mit allem versorgt, was der Mensch heutzutage so braucht: mit den wesentlichen weltbewegenden Nachrichten (zum Beispiel den neuesten Meldungen zu Dschungel-TV und Yogurette, der fiesen Kalorienbombe) und natürlich mit viel, viel Werbung.

Denn sonst wüsste man ja nicht, wo man seine Millionen oder hart verdienten Euros in den Sand setzen soll.

So schön kann Webmail sein:


Und nicht vergessen: An neue Fenster denken!
Das ist mein Plan.
Kann beim angekündigten sibirischen Wetter kaum schaden.

9.1.12

Pleitegeier und Bundesadler

Zu den Kleinen kommt der Pleitegeier, zu den Großen kommt der Bundesadler.
– Guido Westerwelle

8.1.12

Jacques Prévert: Roboterliebe

Roboterliebe

    Ein Mann schreibt auf der Schreibmaschine einen Liebesbrief und die Maschine antwortet dem Mann an Stelle der Empfängerin und ihrer Hand
    Sie ist dermaßen perfekt diese Maschine diese Maschine zum Waschen von Schecks und Liebesbriefen
    Und der Mann, bequem in seiner Wohnmaschine sitzend, liest mit der Lesemaschine die Antwort der Schreibmaschine
    Und in seiner Träumemaschine kauft er mit seiner Rechenmaschine eine Liebesmaschine
    Und in seiner Traumverwirklichungsmaschine liebt er die Schreibmaschine die Liebesmaschine
    Und die Maschine betrügt ihn mit einem Maschin*
    Einem Maschin zum Totlachen

– Jacques Prévert

Ins Deutsche gebracht von Johannes Beilharz.

Das französische Original, L'Amour à la Robote, ist in dem Band La Pluie et le Beau Temps (1955) enthalten.

*Frz. machin (Dings, Dingsbums), mit dem Wort machine in der Schreibung fast identisch, könnte auch als männliche Entsprechung der weiblichen Maschine interpretiert werden. Es schien mir nach Rücksprache mit französischen Freunden richtig, hier im Deutschen eine männlichen Entsprechung zu erfinden, den Maschin, da dies einer der möglichen Bedeutungen dieser Wortspielerei am Französischen wohl am ehesten entspricht.

21.12.11

Yuppie am Handy, Mittwochmorgen, ca. 9 Uhr

Der Mann im Gang
geht auf und ab.
Eine Kostenstelle
hält ihn auf Trab.
Ohne meine neugierigen Ohren
wäre er ganz sicher
vollkommen verloren.

– Felix Morgenstern (© 2011)

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, beruhend auf messerscharfer poetischer Beobachtung.

19.12.11

Ode to the owner of an inkpot

Thank you, my love,
I forgive you not –
you gave me ink
in that old pot.
But on a cold day like this
it won’t make me hot.

– Felix Morgenstern (© 2011)

A demonstratively silly ditty upon instigation by One Single Impression.